Die Speisen
Ähnlich
wie in Frankreich ist es abends in den Lokalen üblich, ein drei- bis viergängiges
Menü zu bestellen. Selbstverständlich kann auch á la carte bestellt werden,
aber dann kostet jede Beilage extra, und der Geldbeutel wird ganz schön
strapaziert. Denn gut Essen gehen ist in Korsika recht kostspielig. Auch die
italienische Richtung (Pizzen und Nudelgerichte) kommt teurer als auf dem
Festland.
Käse
Korsika bietet eine ganze Reihe an
landestypischen Spezialitäten. Zu den Bekanntesten gehören der Brocciu,
ein weißer, frischkäseartiger Quark aus Ziegen- oder Schafsmilch. Er wird auf
vielerlei Arten zubereitet. Es gibt ihn als Omelette
au Brocciu mit Pfefferminz (sehr empfehlenswert), oder als Nachspeise in
Form von Fiadone und Imbrocciata. Korsen gießen gerne einen Eaux de vie (Schnaps) drüber. Meine Favoriten sind jedoch die Frittelli
oder Beignets au Brocciu. Es gibt sie als Süßgebäck oder gesalzen. Außerhalb
der Saison gibt es den abgepackten Brousse, der fast genauso aussieht und schmeckt wie Brocciu,
dabei deutlich billiger ist und aus Milchpulver hergestellt wird.
| Außerdem
gibt es Fromage au brébis (Schafskäse),
der mit zunehmendem Alter immer stärker vor sich hin muffelt (bei Asterix &
Obelix explodiert dadurch das Piratenschiff) und auch strenger schmeckt. Der
ultimative „Kick“ ist die Version mit lebenden Würmern, der bei den Korsen
außerordentlich beliebt sein soll. Ich konnte mich dafür bis jetzt jedoch noch
nicht erwärmen. |
Wurst
|
Coppa (geräucherte Schweinelende) und Lonzo (geräuchertes Schweinefilet) sind neben den Figatelli
(geräucherte Leberwürstchen) die beliebtesten Wurstsorten. Coppa
und Lonzo gibt es überall in den
Metzgereien und Supermärkten. Sie sind sehr stark gesalzen und gepfeffert und
werden zusammen mit Prisuttu (roher
Schinken) auch gerne als Charcuterie corse
in den Lokalen als Vorspeise gereicht. |
Fleisch
Als korsische Spezialität gilt
Wildschweinbraten (Sanglier). In der
Tat profitiert das Fleisch von der Lebensart der Schweine. Als verwilderte
Hausschweine treiben sie sich frei in der Gegend herum, ständig auf der Suche
nach Kastanien, Trüffeln und Eicheln. Dadurch ist das Fleisch mager und sehr
aromatisch. Cabri (junge Ziege) steht
dem in nichts nach. Das Fleisch ist sehr mager und zart. Wer Lamm- oder
Ziegenfleisch sonst nicht mag, sollte es trotzdem mal versuchen. Cabri
läßt sich mit hiesigen Gerichten kaum vergleichen.
Fisch
Auch die Fischgerichte können sich
sehen lassen. Am häufigsten findet man Daurades
(Goldbrassen), Rougets (Rotbarben) und
Loups (Wolfsbarsch) auf dem
Speisezettel. Sie bekommen durch die Beigabe von Macchia-Kräutern ihre ganz besondere Note. Truites (Forellen) genießt man am besten im Inland und frisch
gefangen aus den Gebirgsbächen. Eine feine Sache ist die Soupe de Poisson (Fischsuppe). Sie wird mit Käse zum Bestreuen, Weißbrot
und Knofi gereicht.
Kuchen
und Gebäck
Kastanienmehl und Brocciu
ist fast immer dabei, wenn es um korsisches geht, zum Beispiel Imbrocciata
(Törtchen mit Brocciu) und Frittelli
(Teigbällchen, teilweise mit Brocciu
gefüllt). Die Torta Castagnina ist
ein Kuchen, der mit Nüssen, Mandeln, Pinienkernen und Rosinen besetzt ist. Canistrelli (Kekse) oder auch Biscuttini
eignen sich sehr gut als Mitbringsel, weil sie im Koffer oder Tankrucksack gut
verstaubar sind. Es gibt sie mit Anis, Vanille, Mandeln und Haselnüssen und
passen auch gut zu Wein.
Brotaufstrich
Ebenfalls gut geeignet für den
Transport sind Honig und Konfitüre. Den interessantesten Geschmack hat
Kastanien-Honig (Miel de Chataignier).
Er schmeckt fast ein bißchen bitter und sehr kräftig. Süß und fruchtig
dagegen ist die Confiture de Châtaigne
(Kastanien-Konfitüre) oder auch Crème de
Marrons.
Die
Getränke
Weine
Korsika besitzt hervorragende
Rebsorten. Das liegt einerseits am guten Boden und andererseits am günstigen
Klima. Das Know-how brachten die Griechen mit.
Überwiegend
werden Rosé- und Rotweine hergestellt. Weißweine gibt es eigentlich nur am Cap
Corse und bei Porto-Vecchio. Die unbestritten beste Adresse für guten Wein ist Patrimonio
im Norden bei St. Florent. Hier gibt
es Dutzende von Möglichkeiten, in einer kleinen Cave
(Weinkeller) eine Weinprobe zu machen. Zu den besten Weinen gehört der „Blanc
de Blancs“ von Orenga de Gaffory.
Aber auch der Süden hat einiges zu bieten. Aus Sartène
kommen der rote „Santa Barba“ und
der „Domaine Fiumicicoli“.
Auf
jeden Fall sollte man die Qualitätsbezeichnungen beachten. Sie stellen sicher,
daß es sich um hochwertige Säfte handelt. Das gilt für AOC-Weine (Appellation d’origine contrôlée) und Weine mit der
Bezeichnung Vin de Corse, in
Verbindung mit dem AOC-Zeichen.
Zu
den Dessertweinen zählen der „Muscat“
und der „Rappu“. Es sind klebrig
natursüße Weine vom Cap Corse, die
als Aperitif oder zum Dessert gereicht werden. Die einfacheren Weine werden
durch einlagern von Nüssen, Orangen, Pfirsichblättern, usw. zu Aperitifs
gemacht und haben durchaus Tradition auf der insel. Sie heißen dann „Vin
de Pêche“, „Vin d’Orange“, „Vin de
Noix“, usw.
Hochprozentiges
Ebenfalls als Aperitif sind der „Cap
Corse“, ein wein- und chininhaltiges Getränk, und der Pastis,
am besten eiskalt, sehr beliebt. Gerade der Pastis
gehört schon fast zu den Grundnahrungsmitteln der Franzosen und Korsen. Es ist
ein süßer Anisschnaps, der mit Eiswasser verdünnt eine milchige Färbung
bekommt. Es gibt ihn auch als Ricard,
Casanis oder 51.
| Die
Korsen mischen das Zeug auch ganz gerne mit diversen Sirops (Frucht-Sirup), die es in x-verschiedenen Varianten gibt. Der
korsische Kneipier erkennt den Kenner an der Bestellung eines „Tomate“
(Pastis mit Grenadine); schön
knallrot das Ganze. Außerdem gibt es noch „Canari“ (Pastis mit Citron),
„Mauresque“ (Pastis mit Orgeat)
und der absolute „Hit“ ist der „Perroquet“
(Pastis mit Mente),
weil’s wahnsinnig „gesund“ schmeckt. |
Für
Eaux-de-vie sind Korsen jederzeit zu
haben, genauso wie für ihren geliebten „Marc“,
einen Tresterschnaps.
Alkoholfreies
Das erfrischendste Getränk ist
immer noch Wasser. Zu jedem Essen gibt es eine Karaffe Leitungswasser, das
nirgendwo so bedenkenlos getrunken werden kann wie auf Korsika. Eine Flasche „sans
gaz“ extra zu bestellen ist also völlig unnötig. Will man eine Flasche
Mineralwasser mit Kohlensäure, so wird „avec
gaz“ bestellt. Die Limos schmecken allgemein klebriger als bei uns. Besser
löschen da die Sirops à l’eau den Durst. Es gibt sie als „Grenadine“ (Granatapfel), „Citron“
(Zitrone), „Orgeat“ (Mandelmilch),
„Cassis“ (Johannisbeer), „Menthe“
(Pfefferminz) und vielen weiteren Sorten. Wem das noch nicht süß genug ist,
der ordert einen "Diavolo menthe, fraise, usw.". Statt mit
Wasser werden die Sirops mit weißer Limo (z. B. Sprite) aufgefüllt. Alternativ kommen die Eistees immer
mehr in Mode (Liptonic).
Natürlich gibt es auch Kaffee in etlichen Varianten. Wenn man einen Café bestellt, bekommt man jedoch nur eine Art Espresso. Soll es ein richtiger Kaffee sein, so bestellt man einen Café au lait (halb Milch, halb Kaffee), Café grand (doppelter Espresso), oder einen Café crème (mit Milch).
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Agliolu |
Majonnaise
mit viel Knofi |
Rezepte zum zuhause Nachkochen und -backen
Die folgenden Rezepte (jeweils für 4 Personen) habe ich auf der Basis klassischer, korsischer Gerichte weiterentwickelt und zum Nachkochen für zuhause gedacht. Sie können alle mit hiesigen Zutaten zubereitet werden.
Vorspeisen
Omelett
au Brocchiu et á la menthe
Zutaten
8 große Eier
1 Handvoll frische oder getrocknete Minze
Salz, Pfeffer
1.
Den Schafskäse durch ein Sieb passieren
2.
Eier aufschlagen und mit etwas Milch/ Sahne verrühren
3.
frische Minze kleinhacken und dem Rührei zugeben
4.
Würzen mit Salz und Pfeffer
5.
dem Rührei einen großen Schluck Sprudel zugeben, damit das Omelett schön
locker wird
6.
etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und das Rührei hineingeben
7.
bevor das Ei abbindet den Käse gleichmäßig darauf verteilen
8.
mit elegantem Hüftschwung das Omelett in der Pfanne wenden (Bräunung
nach gusto)
Hauptgerichte
Stuffatu
á la Châtaigne
Zutaten
800 g Rindergulasch
250 g Speckwürfel
250 g kleingehackte Zwiebeln
3 Zehen Knoblauch
800 g geschälte und gewürfelte Tomaten
400 g frische und gehäutete Kastanien oder aus der Konserve
½ l Weißwein
Thymian, Kräuter der Provence, Salz, Pfeffer, Muskat
Als Beilage:
500 g Makkaroni, Spaghetti, Kartoffeln oder Reis
1.
Speck und Zwiebeln in einem hohen Topf 5 min. anbraten
2. Gulasch
hinzufügen, alles gut vermischen und weitere 5 min braten
3. Tomaten
untermischen und aufkochen
4. Mit
Weißwein ablöschen und abgedeckt auf schwacher Flamme 1 h köcheln lassen
(gelegentlich umrühren)
5. Knoblauchzehen
und Kastanien (ganze) hinzugeben und eine weitere Stunde abgedeckt köcheln
lassen (gelegentlich umrühren)
6. Würzen
mit Thymian, Kräuter der Provence, Salz, Pfeffer, Muskat nach gusto
7. Am
besten über Nacht stehen lassen, damit das Aroma richtig durchzieht
Fiadone
Zutaten
500 g milden Schafskäse (griechischen), Schafsmilch-Ricotta oder verschweißten Brousse aus dem korsischen Supermarché (hält 4 Monate) mitbringen
75 g Zucker
3 große Eier
1 unbehandelte Orange oder Päckchen Orangenaroma
5 cl Orangenlikör (kein „Blue Curaçao“, sonst wird der Kuchen grün !) oder Vin d’Orange aus dem Korsika-Urlaub
1 Päckchen Vanillezucker
1.
Den Schafskäse durch ein Sieb passieren und in eine Rührschüssel geben
2. die
Schale der unbehandelten Orange mittels Reibeisen abrubbeln
3. Eigelb
und Eiweiß trennen
4. kleingeriebene
Orangenschale bzw. Orangenaroma, Eigelb, Zucker und Orangenlikör
bzw. Vin d’Orange zum Schafskäse zugeben
5. Miittels
Rührgerät zu einem gleichmäßigen Teig verrühren
6. Eiweiß
zu Eischnee schlagen und Vanille zugeben
7. geschlagenes
Eiweiß unter den Teig heben
8. niedrige
Backform gut einfetten, Teig einfüllen und glattstreichen
9. Form
in den vorgeheizten Backofen geben und bei Umluft und 180 Grad 30 min backen,
bis der Kuchen goldgelb ist (warm servieren)