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Außer Kurven hat Korsika noch einiges mehr zu bieten. Neben einer äußerst wechselvollen Geschichte gibt es einige nette Anekdötchen zur Karriere vom einfachen Mohr zum korsischen Nationalsymbol. Land und Leute sind mindestens ebenso spannend, wie die Geschichte der Türme, die überall an den Küsten anzutreffen sind. Besondere Highlights sind die korsische Musik und die spezielle Küche, die (außer biken) wesentliche Reize der Insel ausmachen
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Die
Geschichte
I. Neolithikum und Bronzezeit
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6570 v. C.
2000 - 800 v. C. |
Alter
des ältesten Menschenfundes, die „Dame
von Bonifacio“, zu sehen im Museum von Levie (Tour 16) Megalithkultur; in dieser Zeit entstehen die Dolmen (Steintische) und Menhire
(Steinsäulen) , z. B. Cauria,
Filitosa Die Zeit der Torreaner; die
Herkunft ist nicht ganz geklärt. Nach neueren Erkenntnissen stammen die Torreaner von den Megalithikern
ab. Von ihnen stammen die Felsburgen, z. B. von Cucuruzzu und Torre. |
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500 v. C. - 300 n. C.
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Zuerst gründen die Griechen
Alalia (Aleria) und Palla
(Bonifacio), dann folgen die Syrakusaner
und gründen Porto-Syrakusanus
(Porto-Vecchio). Als nächstes
siedeln sich Etrusker und Karthager
an. Schließlich landen die Römer.
Die heutige korsische Sprache geht auf den lateinischen Ursprung zurück.
Gegen Ende der römischen Herrschaft setzt die Christianisierung ein. Vandalen, Byzantiner und Sarazenen fallen über die Insel her und sorgen für Furcht und
Schrecken. |
III. Pisanische Herrschaft
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1100 - 1300
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Pisa erhält vom Papst den Auftrag, die Verwaltung der Insel zu
übernehmen. Die nächsten 200 Jahre herrscht reichlich Frieden. Die
ersten Wachtürme an den Küsten entstehen. |
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1300 - 1729 |
Genua gewinnt die „Seeschlacht
von Meloria“ gegen Pisa
und damit die Vorherrschaft im Tyrrhenischen
Meer und über Korsika. Die Zeit der Aufstände bricht an: das Volk
gegen den Adel, der Adel gegen Genua,
Genua gegen Aragon. Die Küste
wird verturmt, die Zitadellen entstehen und die beliebten Brücken. Schließlich erscheinen die
Franzosen zum ersten Mal auf der Bildfläche. Sampiero Corso (siehe Tour 13) macht den Franzosen seine Heimatinsel schmackhaft und erobert Korsika mit Frankreichs
Hilfe. Die französische Herrschaft hält nur sechs Jahre (1553-1559).
Dann hat Genua die Lage wieder im Griff. |
V. Korsische Unabhängigkeit
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1729 - 1769 |
Nach einer ungeschickten
Steuererhöhung rebelliert das Volk. Es kommt zu Aufständen gegen die
genuesischen Machthaber. Nach vorübergehender Beruhigung unter Einflußnahme
der Franzosen flackern die Kämpfe
wieder auf. Schließlich ruft Pascal
Paoli (siehe Tour 3) die „Regierung
der korsischen Nation“ aus (1755) und verdrängt die Genueser weitgehend von der Insel. |
VI. Französische Herrschaft
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1769
1793 - 1795
1975 1998 2000 |
Von Genua um Hilfe gebeten, gewinnt Frankreich die Schlacht bei Ponte-Nuovo gegen Paolis Truppen. Weil Genua die Zeche dafür nicht zahlen kann, fällt Korsika an Frankreich. Wenige Monate später wird Napoleon Bonaparte in Ajaccio geboren. Kurz-Intermezzo der Engländer
unter Anführung des aus dem Exil zurückgekehrten Paoli.
Nach 2 Jahren gibt England die
Insel kampflos an die Franzosen
zurück. Paoli geht endgültig
ins Exil nach England. Ausbau der Infrastruktur und Eröffnung der Eisenbahnlinie. Einrichtung des Naturparks Einteilung in die beiden Départments Haute-Corse
und Corse-du-Sud Wahl der ersten korsischen
Regionalversammlung Wahl des ersten korsischen Politikers in das Europaparlament in Straßburg Frankreich gewährt Korsika Autonomierechte u. a. in den Bereichen Kultur,
Soziales und Erziehung, Wohnungsbau Ermordung des korsischen Präfekten Claude Erignac der neue Präfekt Bernard Bonnet wird überführt, 2 Strandkneipen abgefackelt zu haben, was er den Nationalisten in die Schuhe schieben wollte und wird für 3 Jahre weggesperrt ("affaire des paillottes"). |
Der
korsische Mohr
Auf
vielen Rückseiten von Automobilen und Motorrädern sieht man ihn als Aufkleber
auch in heimischen Gefilden. Doch nur Insider wissen, daß es sich dabei um das
Freiheitssymbol der Korsen handelt: ein schwarzer Männerkopf mit krausem Haar
und weißem Stirnband.
Woher
stammt das Symbol ? Wer ist dargestellt, ein Mohr oder ein Maure ? Was
hat es mit dem charakteristischen, weißen Stirnband auf sich ?
Um
es vorwegzunehmen, die Experten kommen zu keiner eindeutigen Aussage. Es ranken
sich etliche Legenden um seine Entstehung, jedoch eines steht fest: im Jahr 1762
wurde der Mohrenkopf mit dem Stirnband von einer Consulta unter Pascal Paoli
zum offiziellen Wappen und Symbol für den Freiheitskampf der Korsen bestimmt.
| Einer Legende nach entführte ein arabischer Herrscher eine junge Korsin im 13. Jahrhundert nach Granada als Sklavin. Ihr korsischer Verlobter reiste hinterher und holte sie wieder zurück nach Aleria, was wiederum dem arabischen Fürst nicht passte. Also schickte er einen seiner Getreuen wieder nach Korsika. Es kam zum Kampf zwischen | dem Araber und dem
Verlobten, der schließlich als Sieger hervorging. Als Zeichen des Triumphes
schlug der junge Korse dem Mauren den Kopf ab, spießte ihn auf eine Lanze und
reckte ihn hoch in den Himmel. Diese Geschichte wurde über Generationen
weitergegeben und veranlaßte schließlich die Consulta
zur Auswahl dieses Symbols. |
Eine
andere Legende rankt sich vor allem um das Stirnband. Nachdem die Pisaner
zusammen mit den Genuesern die Mauren besiegt hatten, sollte ein Gefangener hingerichtet werden.
Dazu verband man ihm die Augen mit einem weißen Tuch. Der Araber wollte jedoch
sehenden Auges sterben. Dazu schob er das Tuch hoch zur Stirn und symbolisierte
damit Mut und Stolz; Attribute, mit denen sich die Korsen heute noch gerne
identifizieren.
Realistischer
erscheint den Geschichtsforschern der Ursprung des Symbols in Aragon
zu sein. In der Zeit des Machtgerangels zwischen Pisa
und Genua setzte der Papst den „König
von Aragon“ als Verwalter für Korsika und Sardinien ein, um „Ruhe in
die Kiste“ zu bekommen. Aragons
Flagge wies bereits vier Mauren,
verteilt um ein Kreuz auf, das vermutlich aus den Siegen über die Araber
während den Kreuzzügen hervorgeht (Sardinien besitzt heute noch dieses
Symbol). Vincentellu d’Istria, ein
Korse in Aragons Diensten und Erbauer
der Zitadelle in Corte, kämpfte gegen
die pisanischen und genuesischen Besatzer. Er brachte es bis zum Vize-König,
wurde aber bald von den Besatzern geschlagen und in Genua hingerichtet.
Dennoch
war damit die Idee einer korsischen Monarchie geboren und hielt sich bis zur
kurzen Amtszeit von Theodor von Neuhoff,
dem ersten und einzigen König Korsikas. Auf einer zeitgenössischen Darstellung
von 1736 ist der König mit dem Wappen zu sehen, das bereits einen Mauren
abbildet. Doch hier hat der Maure die Augen verbunden mit einem Tuch, das Paoli
später als Zeichen der Freiheit zum Stirnband umfunktioniert haben soll.
Andere
sehen wiederum den Ursprung für das Stirnband im antiken Griechenland, wonach
die hellenistischen Herrscher sich nach einer gewonnenen Schlacht ein weißes
Stirnband als Zeichen des Sieges umbanden.
Zur
Frage, ob Maure oder Mohr gibt es auch nur Vermutungen. Demnach geht man überwiegend von
einem braunhäutigen Araber aus. Im
Lauf der Zeit verfärbten sich die Darstellungen ins Schwarze, dann noch ein
Ring ins Ohr und fertig war er, der korsische Mohr.
Die
Genuesertürme
| Überall
an den Küsten sind sie zu sehen, die bis zu 20 Meter hohen und 10 Meter im
Durchmesser betragenden, wuchtigen Türme. Die meisten von ihnen sind zu Ruinen
verkommen. Andere werden seit kurzer Zeit durch private Initiativen restauriert
und können besichtigt werden, wie zum Beispiel der Turm von Porto (der ist allerdings Einer der wenigen aus der
pisanischen Epoche). |
Im 15. Jahrhundert kamen die Überfälle durch nordafrikanische Seeräuber (Sarazenen) so richtig in Mode. Sie verbreiteten Angst und Schrecken unter den korsischen Einwohnern, denn sie plünderten alles, was sie kriegen konnten, mordeten und verschleppten Tausende in die Sklaverei.
| Um sich vor diesen Überfällen zu schützen,
entwickelten die Genueser neben dem
Bau der Zitadellen von Ajaccio, Bastia,
Bonifacio, Calvi, Porto-Vecchio und St.
Florent dieses einzigartige Verteidigungssystem, namens Torregiana. Es war billiger als eine eigene Schutzflotte und bestand
aus einer Kette von Türmen, die in Sichtweite um die gesamte Küste verteilt
war. So kamen immerhin an die 150 Stück in 3 Jahrhunderten zusammen, von denen
noch etwa die Hälfte als mittlerweile „historische Monumente“ erhalten
sind. |
| Die
genuesischen Türme wurden in Rundform gebaut. Noch aus der pisanischen Zeit
stammen die viereckigen Türme von Porto,
Nonza, Pino, Morsiglia und Toga.
Die Eingänge waren in ca. 5 Meter Höhe angeordnet und nur über Leitern
erreichbar, die im Ernstfall hochgezogen wurden. Besetzt waren die Türme ständig
mit 2 bis 4 Mann. Sobald ein feindliches Schiff am Horizont auftauchte, entzündeten
die Wachleute auf der obersten Plattform ein Feuer, das von der benachbarten
Turmmannschaft wahrgenommen wurde, die ihrerseits ein Feuer entzündeten. So
konnte die Meldung innerhalb von wenigen Stunden um die gesamte Insel geschickt
werden. Die Bevölkerung hatte so genug Zeit, sich rechtzeitig ins schwer zugängliche
Hinterland und in Sicherheit zu bringen. |
Zu
den schönsten Türmen zählen die von Porto,
Nonza (am Cap Corse) und Campomoro
(bei Propriano), die auch besichtigt werden können.
Das
Land
Allgemeines
Mit
8720 km² Fläche ist Korsika gerade mal halb so groß wie Schleswig-Holstein und hinter Sizilien
und Sardinien die drittgrößte Insel
im westlichen Mittelmeer. Mit einer Länge von 183 Kilometern und einer Breite
von 83 Kilometern besitzt sie über 1000 Kilometer Küste, davon 300 Kilometer
Strandabschnitte. Korsika hat keine Industrie, deren Abwässer die Küsten
verschmutzen könnte. Seit Jahren ist die Wasserqualität des Mittelmeeres im
Vergleich zu den anderen Küsten hier absolut vom Feinsten. Mit einer
Jahres-Durchschnittstemperatur von knapp 20 Grad an der Küste ist die Insel prädestiniert
für einen wunderschönen Badeurlaub.
| Doch
das allein macht noch nicht die Faszination aus, die von Korsika ausgeht. Es
sind die extremen Unterschiede und die Vielfalt seiner Landschaften. Keine 25
Kilometer hinter der Küste erhebt sich der 2706 Meter hohe Monte Cinto, Korsikas höchster Berg. Außerdem erreichen über 50
Gipfel eine Höhenniveau von über 2000 Metern. Mit einer Durchschnittshöhe von
600 Metern liegt Korsika deutlich höher als seine beiden größeren Nachbarn. |
| Wo
große Höhenunterschiede sind, da gibt es auch viel Regen und Schnee. Diese
Niederschläge sammeln sich in Flüssen und Seen. Dadurch ist Korsika im
Gegensatz zu den meisten Mittelmeerinseln von einer Vielzahl von glasklaren Flüssen,
Bächen und Bergseen durchzogen, die auch im Sommer teilweise üppig Wasser führen.
Bei entsprechenden Außentemperaturen lässt es sich in den Gumpen der Flüsse
herrlich Baden. |
| Und
wo viel Wasser ist, da ist auch oft viel Wald. Ein Drittel der Gesamtfläche ist
mit Laub- und Nadelwald bedeckt. Damit erhöht sich leider auch im Sommer das
Risiko von Waldbränden, die Korsika in jedem Jahr übel mitspielen. Was nicht
gerade von Wald bedeckt ist, wird meistens von der Macchia
überzogen. Sie besteht aus bis zu 6 Meter hohem Gestrüpp, das sich wie ein
Teppich über das Land legt und im Frühling wie eine Gewürzkammer duftet. Napoleon
sagte einmal: „Korsika erkenne ich mit verbundenen Augen am Geruch“. Und das
ist tatsächlich nicht übertrieben. Das Klima ist an den Küsten mediterran, das heißt sehr trockene und heiße Sommermonate und milde Winter. Interessanterweise liegen die Durchschnittstemperaturen im Norden höher als im Süden. Ajaccio ist die französische Stadt mit der höchsten Sonnenscheindauer (2900 Stunden im Jahr). |
| Ab
1200 Höhenmeter spricht man vom alpinen Klima, mit sehr kalten und
schneereichen Wintern. Im Spätherbst wird Korsika oft von heftigen Stürmen mit
starken Regenfällen heimgesucht. Dann schwellen die Flüsse stark an und
richten wüste Zerstörungen an, zuletzt im Winter 1993/94 (siehe Tour 16). |
Geologisches
Korsika
und Sardinien bilden gemeinsam einen kleinen Kontinent. Im Erdmittelalter
trennte sich dieser Kontinent von der Provence
ab und wanderte ganz allmählich auf einer Kreisbahn im Gegenuhrzeigersinn bis
in seine heutige Lage. Das heißt, daß der Golf
von Porto ganz früher mal in der Nähe von Nizza lag; ist allerdings schon ein paar Milliönchen Jahre her.
Die
korsischen Hauptgebirge entstanden zur gleichen Zeit wie die Alpen, im Tertiär.
Man unterscheidet im Wesentlichen 4 Gebiete: die kristalline
Zone, die Schieferzone, die Bruchzone
und das Schwemmland.
Die
kristalline Zone nimmt die größte Fläche ein und besteht überwiegend aus
Granitgestein. Sie ist sehr schroff gefaltet, mit Steilabfällen zum Meer hin
und verläuft westlich einer Linie L’Ile
Rousse - Corte - Solenzara. In ihr zieht sich die zentrale
Bergkette S-förmig vom Nordwesten bis nach Südosten mit den wichtigsten
Gipfeln Monte Padro (2393 m), Monte
Cinto (2706 m), Monte Rotondo
(2622 m), Monte Renoso (2352 m) und Monte
Incudine (2136 m).
Östlich
dieser Linie, einschließlich dem Cap
Corse, verläuft die Schieferzone,
die mit dem Schwemmland zwischen
Bastia und Solenzara zum Meer hin abschließt. Das Mittelgebirge weist nicht
diese extremen Höhenunterschiede auf. Der höchste Berg ist der San
Petrone (1767 m) in der Castagniccia.
Beide
Hauptzonen werden von der sogenannten Bruchzone
miteinander verbunden. Wie ein schmales Band verläuft die Senke zwischen den so
unterschiedlichen Gebirgen. Am deutlichsten präsentieren sich die Unterschiede
bei Corte, wo beide Zonen direkt gegenüberliegen
und durch die Flüsse Golo und Tavignano
voneinander getrennt werden.
Die
Menschen
Zur
Zeit leben ungefähr 240 000 Einwohner auf Korsika. Jedoch nur die Halfte davon
sind echte Korsen. Der Rest wird gebildet aus Festlandfranzosen, repatriierten
Afrikafranzosen, vornehmlich aus Algerien und Einwanderern aus derselben Ecke
(„Les Arabs“ genannt). Die Hälfte der Einwohner verteilt sich auf die
beiden Hauptstädte Ajaccio und Bastia.
Die
Bevölkerung ist eines der großen Probleme Korsikas. Aufgrund der schlechten
Arbeitsplatzsituation suchen viele junge Korsen ihr Glück auf dem Festland, um
dann im Alter wieder zurück zu kommen auf ihre Insel. Das hat dazu geführt, daß
heute viermal so viele Korsen außerhalb Korsikas leben wie auf der Insel
selbst, auf der wiederum das Problem der Überalterung herrscht. Seit einigen
Jahren versucht man verstärkt Arbeitsplätze zu schaffen, um die Insel wieder
attraktiv zu machen für die jungen Leute. Dazu gehören entsprechende
Ausbildungseinrichtungen wie zum Beispiel an der Universität in Corte
oder die Besinnung auf korsische Kultur und Tradition und den damit verbundenen
Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Corsicada,
eine Vereinigung korsischer Kunsthandwerker wäre dafür ein Beispiel.
Die
Korsen sind ein sehr stolzes Volk. Sie legen Wert auf ihre eigenständige
Entwicklung und wollen nicht als Franzosen angesehen werden. Die Sprache ist ein
Beispiel dafür. Für Besucher hört sie sich an wie eine Kreuzung aus
Italienisch und Französisch. Tatsächlich basiert die Sprache auf den
lateinischen Ursprüngen der Römerzeit vor 2000 Jahren. Danach hat sie sich
eigenständig weiterentwickelt. Mit der französischen Herrschaft wurde Französisch
als Amtssprache eingeführt.
| Seitdem
kämpfen die Korsen um eine Anerkennung ihrer eigenen Sprache. Am
deutlichsten wird das dem Besucher, wenn er die übersprühten
Ortsschilder sieht, zum Beispiel Morosaglia
in Merusaglia
oder Corte in Corti. Die
Schildernamen sind überwiegend italienisch (Genua stellte beim Verkauf an
Frankreich in 1769 als einzige Bedingung, daß die Ortsnamen italienisch
bleiben sollten. Das wurde ihnen gewährt). Mit kleinen Schritten faßt
die Anerkennung der Sprache allmählich Fuß. Den Ortsverbänden wird es
zum Beispiel mittlerweile selbst überlassen, ob sie neue Ortsschilder mit
den alten Namen aufstellen wollen (Porto
heißt heute wieder Portu).
Korsisch kann in Corte
studiert werden und wird von der französischen Regierung mittlerweile als
„Regionalsprache“ offiziell anerkannt. Somit darf sie an Schulen
unterrichtet werden, hat jedoch immer noch nicht den Status eines
Pflichtfaches, was viele Korsen fordern. |
Die
gemeinhin nachgesagte Abneigung der Korsen gegen alle Franzosen ist so nicht
richtig. Die Korsen gelten allgemein als militant und leicht reizbar. Angesichts
der Ausbeutung seit vielen Jahrhunderten ist das eigentlich auch kein Wunder.
Die Aggressionen, die schon mal in der Sprengung einer französischen Behörde,
eines Supermarktes oder einer französischen Ferienanlage gipfeln sind jedoch
nie gegen Menschen gerichtet und werden von einigen wenigen, radikalen Gruppen
wie zum Beispiel der 1983 verbotenen FLNC
(„Fronte di Liberazione Naziunale
Corsu“) durchgeführt. Diese Aggressionen richten sich jedoch
nicht gegen „Ausländer“ im allgemeinen, sondern gegen Institutionen, die
zur Ausbeutung der Insel beitragen, das heißt, wenn Gelder auf Kosten der
Korsen erwirtschaftet werden und nicht dem korsischen Volk in irgendeiner Form
wieder zugeführt werden.
| Als Tourist bekommt man normalerweise davon wenig zu spüren. Er sieht vielleicht die eine oder andere gesprengte Ruine (Skiort Val d’Ese, Supermarkt bei Propriano, Ferienanlage bei Linguizetta, Diskothek im Restonica-Tal, usw.) und etliche zugesprühten Hauswände (insbesondere französische Banken). Im Umgang mit den Korsen sollte man jedoch trotzdem vorsichtig sein. Die Korsen habe ich als sehr freundlich und hilfsbereit kennengelernt. |
Gegenüber Motorradfahrern
gibt es überhaupt keine Vorurteile. Im Gegenteil, unterwegs ist es mir schon häufig
passiert, daß mir die Leute zuwinkten und mir spontan ihre Hilfe anboten, als
sie mich ratlos mit der Karte in der Hand vor einer unbeschilderten Kreuzung
stehen sahen. Keiner hat mir ein Foto von sich untersagt, nachdem ich ihn vorher
höflich darum gebeten hatte.
In Kneipen wurde ich manchmal schon regelrecht mit
Pastis auf Kosten des Hauses oder des
Spenders abgefüllt, nachdem sie bemerkt hatten, da interessiert sich jemand
nicht nur für die schärfsten Frauen, sondern auch für Land und Leute und
deren Lebensbedingungen. Die Korsen wollen respektiert werden als Menschen und
als Gastgeber. Sie erwarten, daß sich jeder Besucher auch entsprechend verhält.
Ich denke, daß da nicht zuviel verlangt wird und jeder damit nicht überfordert
wird, wenn er sich dessen bewußt ist.
| Korsen
erregen sich sehr schnell und greifen auch schnell zur Waffe. Ich kenne Fälle,
wo Wildcamper nur noch ihre Haut retten konnten und Auseinandersetzungen, die für
manchen mit geknickten Knochen endeten und sogar in einem Fall für einen jungen
Deutschen tödlich, von Schrotkugeln durchsiebt. Damit möchte ich
niemanden abschrecken, aber es sollte sich jeder seiner Gastrolle bewußt sein.
Dann ergeben sich viele freundschaftliche Begegnungen, an die man sich immer
wieder gerne erinnern wird. |
Die
Musik
Korsen
gelten als schwermütig. Das macht sich auch in ihren Liedern bemerkbar. Sie
wirken oft getragen und irgendwie düster. Auch die Inhalte haben oft das Leid
und den Tod zum Thema. Es gibt verschiedene Gesangsformen, die aus früheren
Zeiten überliefert wurden.
Die
Lamenti sind Klagelieder, die nur von
Frauen anläßlich der Beerdigung eines natürlichen Todesfalles angestimmt
wurden. Es sind Sprechgesänge mit frei improvisierten Versen, die vom Leben des
Verstorbenen handeln und sehr leidenschaftlich vorgetragen werden.
Die
verschärften Versionen sind die Voceri,
die angestimmt wurden, wenn der Verstorbene ermordet wurde. Die Vendetta
(korsisch: Blutrache) war bei den Korsen sehr beliebt, um sich für irgendetwas
an irgendjemandem zu rächen. Bei diesen Gesängen erklang oft der Ruf nach
Vergeltung, der dann in einer weiteren Vendetta
seine Fortsetzung fand.
An
kirchlichen Feiertagen und bei Festen stimmten die Männer die Paghjella
(lateinisch: Paar) an. Es ist ein getragener, mehrstimmiger Gesang, der von 3
bis 4 Sängern a capella (ohne
Instrumente) vorgetragen wird. Dabei stehen alle Drei nebeneinander und halten
sich ein Ohr zu, um sich besser auf die eigene Stimme konzentrieren zu können.
Eine
weitere Liedkunst ist der Chjame e
Rispondi, ein Wechselgesang, bei dem sich zwei Sänger eine Art
musikalisches Wortgefecht liefern, das von der Improvisation lebt und der Reiz
im Einfallsreichtum der Sänger liegt.
Viele korsische Gruppen haben das alte Liedgut inzwischen wiederentdeckt und mit modernen Rythmen und Instrumenten modern verpackt. Gesungen wird selbstverständlich in korsisch. Seit ein paar Jahrzehnten erfreut sich diese Art von Volksmusik nicht nur auf der Insel wachsender Beliebtheit.
| Die bekannteste Gruppe sind die „I Muvrini“ (korsisch: „die kleinen Mufflons“) aus Taglio-Isolaccia, die auch auf dem Festland mittlerweile Konzertsäle füllen. Mittlerweile sind sie sogar fast jährlich auf Tournee in Deutschland. |
Vater Ghulio Bernardini begann vor 25 Jahren mit seinen Söhnen Alain und Jean François ganz bescheiden mit einer Gitarre. Ihre korsischen Gesänge waren damals fast revolutionär. Sie schreiben ihre Lieder selbst, aber im alten, korsischen Stil und zeitgemäß aufgepeppt. Meistens geht es in ihren Liedern um die Anerkennung der korsischen Sprache und Kultur, Gleichberechtigung und ein friedliches Nebeneinander. Gerade im Sommer sind sie auf der Insel oft unterwegs und geben Open-Air-Konzerte.
Weitere bekannte Gruppen sind
„I Chjami Aghjalesi“, „Canta
u Populu Corsu“,
"Diana di l'Alba" und „A
Filetta“. Seit einem Konzert von „I
Muvrini“ im Theater von Bastia
träumt mein Kumpel Andreas nur noch von einer „California“
und „I Muvrini“ über die
Lautsprecher, das sei das wahre Biker-Feeling.
Empfehlenswerte
CD’s (Leider recht teuer):
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| I
Muvrini: "a voce Rivolta" |
I Muvrini: "au Zenith" |
Canta u Populu
Corsu: "Memoria" |
Chjami Aghjalesi: "cuntrasti e Ricuccate" |
Diana di l'Alba: "Pueta" |