Conca - Vizzavona
| Den kompletten GR 20 und viele weitere Informationen über Korsika gibt es hier auch als Reiseführer im Michael-Müller-Verlag (5. Auflage, 2002) | ![]() Mein Bruder Andreas (der linke) und ich (der rechte) trabten mit ca. 23 kg auf dem Buckel (viel zu viel !) im Sommer 2001 durch den südlichen Teil des GR 20 |
1.
Etappe: Conca
– Refuge de Paliri
2.
Etappe: Refuge
de Paliri – Refuge d’Asinao
3.
Etappe : Refuge
d’Asinao – Refuge d’Usciolu
4.
Etappe : Refuge
d’Usciolu – Refuge de Prati
5.
Etappe : Refuge
de Prati – Refuge de Capannelle
6.
Etappe : Refuge
de Capannelle - Vizzavona
Sehr empfehlenswert sind die zwei Karten von Didier Richard im Maßstab 1:50.000 ("Corse du Nord", Nr. 20 und "Corse du Sud", Nr. 23), wenn sie irgendwann mal wieder auf den Markt kommen sollten (da gibt es gerade irgendeinen rechtlichen Streß). Mit etwas Glück findet man noch Restbestände in den Buchhandlungen vor Ort.
Als Alternative reichen auch die IGN-Karten 73 und 74 im Maßstab 1:100.000 völlig aus. Der GR 20 ist mit Farbe und Steinmännchen mittlerweile so gut markiert, dass man die Karten nur selten in Anspruch nehmen muss.
Wer sich hundertprozentig absichern möchte, besorgt sich die IGN-Karten im Maßstab
1:25.000. Auf ihnen ist fast jeder Stein eingezeichnet, allerdings benötigt
man dann für den kompletten GR 20 insgesamt fünf Karten (4149OT, 4250OT,
4251OT, 4252OT und 4253OT), was sich wiederum nachteilig auf Platzbedarf und
Gewicht im Rucksack auswirkt.
Normalerweise
gibt es auf allen Hütten etwas zu kaufen. Einige Hütten bieten sogar warme
Mahlzeiten. Wer sich jedoch komplett selbst verpflegen will,
muss sich nicht mit teurer Outdoor-Spezialnahrung eindecken, denn Fertiggerichte aus dem
Supermarkt tun es genauso. Man sollte jedoch auf die Zusammensetzung achten:
weniger als 15 gr. Fett/ Mahlzeit und mindestens 80 gr. Kohlenhydrate/
Mahlzeit bilden eine gute Basis. Darüberhinaus bieten sich als
Zwischenmahlzeiten Puffreis-Taler (mit Salz), Müsliriegel (ohne Zucker) und
Pumpernickel an.
Grundsätzlich
ist auf dem GR 20 unbedingt auf einen ausreichenden Wasservorrat zu achten
(Minimum: 2-3 Liter).
Der GR 20 von Calenzana im Nordwesten bis nach Conca im Südosten ist insgesamt 170 km lang. Die Grundsatzfrage, ob man den GR 20 besser von Norden nach Süden oder in umgekehrter Richtung gehen sollten, hängt vom persönlichen Geschmack ab.
Für den Start in Calenzana spricht die im Norden spektakulärere Landschaft, in die man bereits am ersten Tag eintaucht. Außerdem beschreiben alle GR 20-Reiseführer die Tour von Nord nach Süd.
Für den Start in Conca im Süden
spricht der einfachere Einstieg in niedrigeren Höhen, was der
Akklimatisierung dienlich ist. Man hat die Sonne meist im Rücken, und
Selbstversorger profitieren von einem deutlich leichteren Rucksack, wenn sie
die schwierigeren, nördlichen Etappen erreichen.
Wer sich dem Abenteuer GR 20 von Süden annähern will und vorher ein paar Tage am Strand Kräfte sammeln möchte, hat dazu im Durchgangsort Favone die günstigste Gelegenheit. Das direkt an der N 198 gelegene, ansonsten reizlose Örtchen bietet immerhin einen schönen Sandstrand und neben Hotels auch die „Camping-Ranch Bon Anno“.
Mitten im Ort zweigt die D 168 ins Landesinnere ab, auf der man Conca in ca. vier Stunden zu Fuß oder mit dem Taxi erreicht. Der Campingplatz „La Tonnelle“ in Conca ist gut geeignet für die letzte Nacht vor Aufbruch zur großen Wanderung und bietet auch einen privaten Shuttleservice von und nach Sainte-Lucie de Porto-Vecchio. Wer mit dem PKW anreist, kann sein Fahrzeug gegen eine geringe Gebühr auf dem Campingplatz stehenlassen (ca. 10 FF/Tag).
Schutzhütten
(Refuges)
Die meisten Hütten bieten ein Matratzenlager, das in der Hauptsaison allerdings schnell ausgebucht ist (Reservierung empfohlen). Überall gibt es Kochstellen und Geschirrabwaschplätze für Selbstversorger. Toilette, Dusche (sackekalt !), Trinkwasserquelle und ein mehr oder weniger gut ausgestatteter Verkaufsshop runden das Komplettangebot ab.
Zelten ist in unmittelbarer Nähe der Hütten ausdrücklich
erlaubt (aires de bivouac):
Preis
für Matratzenlager inkl. Gaskocher ca. 9 Euro
Preis
für Zeltplatz inkl. Gaskocher ca. 4 Euro
Jetzt geht´s los:
Der
GR 20 von Conca nach Vizzavona:
1.
Etappe : Conca – Refuge de Paliri

Bereits die erste Etappe hat es in sich. Obwohl technisch eher anspruchslos, machen die große Hitze, bei gleichzeitig wenig Schatten, und ein gewaltiger Anstieg von immerhin 800 Höhenmetern, dem Wanderer das Leben schwer. Dafür entschädigt am Ende der Tagesetappe die traumhafte Lage des Refuge de Paliri.
Ausgehend
vom Campingplatz „La Tonnelle“ in Conca (252 m) kann man sich bereits
im Ort verlaufen. Der richtige Weg führt rechts an der Kirche vorbei bis zur
Querstraße, wo man nach links abbiegt. Wenige Meter nach einem kleinen
Lebensmittelmarkt sieht man das erste GR 20-Hinweisschild, das nach rechts
weist. Entlang üppig blühenden Oleanderbüschen, knorrigen Korkeichen, Feigenbäumen
und filigranen Mimosen verläuft die Straße steil hoch in den Ortsteil Radicale,
bis eine große Holztafel den Beginn des GR 20 markiert.
Ganz
unspektakulär verschwindet ein schmaler Trampelpfad im dichten Wald. Gleich zu
Beginn hat ein unbekannter „Künstler“ aus einem gefällten Baum am Wegrand
die Kontur Korsikas herausgehauen, quasi als Steinmännchenersatz. Nach wenigen
Minuten ist mit der „Fontaine de Radicale“ (365 m) bereits die erste
von zwei Quellen auf dieser Etappe erreicht. Wenig später öffnet sich der
Wald, und die Vegetation wechselt in mannshohes Gebüsch, das noch ausreichend
Schatten spendet. Es geht stetig leicht bergauf, und mit zunehmendem Sonnenstand
macht einem allmählich die Hitze zu schaffen. Immer wieder öffnet sich die
Macchia und entschädigt mit tollen Panoramablicken auf Conca und die
dahinterliegende Ostküste. Nach insgesamt ca. einer Stunde Fußmarsch sind mit
Erreichen der Bocca d’Usciolu (587 m) die ersten 300 Höhenmeter
geschafft. Eine eindrucksvolle Felsscharte mit der typisch weißroten Markierung
weist den Weg ins Nachbartal mit schönem Tiefblick zu den Sandstränden
zwischen Solenzara und Favone. Der weitere Verlauf des GR 20 ist weithin
sichtbar. Die Landschaft ist eher eintönig und mit flächendeckendem, niedrig
wachsendem Macchia-Gebüsch typisch für die Küstenregionen im Süden Korsikas.
Der Weg „plätschert“ leicht ansteigend vor sich hin, bis in ca. 630 m Höhe
ein lichtes Waldstück erreicht wird. Daß es hier vor längerer Zeit einen
heftigen Waldbrand gegeben haben muß, kann man nur noch an der schwarzen Verfärbung
der Rinde und einigen verkohlten Baumstümpfen erkennen. Der Rest ist von
Macchia dicht überwuchert.
Durch
dieses Wäldchen fällt der Weg ca. 100 m steil in Serpentinen ab bis zum
Erreichen des Punta-Pinzuta-Baches, der hier zum ersten Mal überquert wird. Wer
jetzt bereits Lust auf eine Erfrischung verspürt, kann sich auf zwei wunderschöne
Gumpen freuen, die etwas oberhalb der Furt Badegäste erwarten und auch im
Hochsommer ausreichend Wasser zum Abtauchen führen.
Nach
dieser ersten Bach-Querung kommt ein kurzer, steiler Anstieg, der dann am
orografisch linken Ufer schnell wieder in einen gemächlichen
Sonntagnachmittag-Spaziergang übergeht. Nach der zweiten Bach-Querung
ist es allerdings vorbei mit der Gemütlichkeit. Der Sonne voll ausgesetzt, führt
der Weg steil bergauf bis zu den Ruinen der Cabanes de Capellu (850 m),
einer ehemaligen Bergerie. Hier weist ein Schild den Weg zur zweiten Quelle („Source“).
Das schattige Plätzchen drängt sich für ein Päuschen geradezu auf, bevor es
wieder in der prallen Sonne weiter bergauf geht bis zur Bocca Villaghello
(1040 m). Bereits kurz vor dem Paß wird die ganze Pracht der korsischen
Bergwelt deutlich. Gleichzeitig bietet sich in östlicher Richtung ein
fantastischer Blick zum Meer. Die für Korsika typischen Tafonifelsen rücken am
Paß erstmals ins Blickfeld. Wer zum ersten Mal die Insel besucht, mag erahnen,
was ihn in den nächsten Tagen erwartet, und was den Reiz dieses Gebirges im
Meer ausmacht.
Hinter
dem Paß lohnt es sich, die Wanderstöcke hervorzuholen. In steilen Kehren
windet sich der GR 20 durch ein Waldstück hinunter über die Foce di u Bracciu
(905 m), um anschließend ohne jeglichen Schatten die 971 m hoch gelegene Bocca
di Monte Bracciutu zu erklimmen. Es folgen ein kurzer Abstieg durch ein
wunderschönes Kiefernwäldchen und ein leichter Aufstieg an der Punta di i
Paliri (1091 m) vorbei bis zum Refuge de Paliri (1040 m), dem Ziel der
ersten Tagesetappe.
Einen
schöneren Platz hätten die Verantwortlichen vom PNRC (Parc Naturel Régional
de Corse) nicht finden können. Nach allen Seiten bieten sich fantastische
Fotomotive mit Meerblick, Tafonifelsen und den für Korsika typischen, völlig
zerzausten Lariccio-Kiefern. Die Hütte hat außer einer Kochstelle, einem
Matratzenlager und einem ebenso leidenschaftslosen Gardien nichts weiter zu
bieten. Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine. Stellplätze für Zelte sind in
ausreichender Anzahl vorhanden. Die Trinkwasserquelle und die Dusche liegen ein
paar Minuten entfernt vom Refuge in Richtung der nächsten Etappe. Das Wasser
ist eiskalt, aber daran gewöhnen sich sogar Warmduscher bereits nach wenigen
Tagen.
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Start in Conca |
Blick auf Conca und Ostküste |
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Bild
004: Badegumpe im Punta Pinzuta-Bach
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005: Bocca d’Usciolu |
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005a: Bergwelt an der Bocca Villaghello
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006: Refuge de Paliri in fantastischer Lage |

Die zweite Etappe ist technisch
ebenfalls anspruchslos. Wer einen Vorgeschmack auf die schwierigeren Nordetappen
erleben möchte, hat die Möglichkeit der alpinen Variante über die Bavella-Türme.
Die „normale“ Tour verläuft überwiegend durch Wald mit vielen
Wasserquellen, ist insgesamt jedoch sehr lang und ermüdend. Am Col de Bavella
besteht die Möglichkeit, die Tour zu teilen.
Der
Sonnenaufgang über dem Meer und die knallrot in der Morgensonne leuchtende Südwand
der Punta Tafunata di i Paliri (1312 m) motivieren zu neuen Taten. Die
atemberaubende Landschaft findet zunächst auf halber Höhe entlang der Crête
de Punta Tafunata seine Fortsetzung. Die Quelle gleich hinter dem Refuge de
Paliri ist die einzige bis zum Col de Bavella: man tut also gut daran, hier noch
einmal vollzutanken.
Dahinter
führt ein geruhsamer Spazierweg leicht bergab durch lichten Kiefernwald. So
bleibt genug Muße, die Landschaft mit Bergrücken zur Rechten und
Ostküste zur Linken in vollen Zügen zu genießen. Die Gemütlichkeit findet
allerdings nach ca. 15 min. ein Ende, da es wieder bergauf geht. So richtig
anstrengend wird es, wenn sich der Pfad abrupt nach Norden wendet und sich in
sehr steilen Serpentinen zur Foce Finosa (1206 m) emporschraubt. Der
schweißtreibende Aufstieg wird belohnt mit spektakulären Tafoni-Bildungen an
senkrechten Felstürmen und weitreichenden Tiefblicken ins Tal und bis zur Küste.
Der Paß gewährt erstmals den Blick zu den steil aufragenden nördlichen Bavella-Türmen, die gerne auch als die „Dolomiten Korsikas“ bezeichnet
werden. Wer ein fantastisches Panorama genießen möchte, sollte die Felsen am
Paß emporklettern und dabei den Fotoapparat nicht vergessen.
Hinter
der Foce Finosa erwartet den Wanderer ein schattiger Waldweg, der nach ca. 15
min. in einen Forstweg mündet, dem man nach links folgt. Nach Querung des Volpajola-Baches
(1020 m) nicht gleich den ersten verlockend breiten Feldweg nach links nehmen,
sondern erst nach weiteren ca. 200 m in einen zweiten, kleineren, weißrot
markierten Waldweg links abzweigen. Dieser mündet nach ca. 30 min. in einen
weiteren Forstweg, dem man nach rechts folgt. Bereits von Weitem zeugen
Generatorengeräusche von der nahenden Zivilisation. Bis zur D 268 kommt man an
zwei gefassten Quellen vorbei. Die zweite kann leicht übersehen werden, weil
sie von Reisebussen zugeparkt ist.
Mit
dem Erreichen der Asphaltstraße könnte der Kontrast kaum härter treffen. Seit
dem Ausbau der Bavella-Solenzara-Strecke zählt der Col de Bavella (1218
m) zu den Top-Touristen-Magneten der Insel. Entsprechend verloren kommt man sich
als GR 20-Wanderer dort oben zwischen den Blechlawinen vor. Immerhin trifft man
als erstes auf die „Auberge du Col de Bavella“, wo man ein zweites Frühstück
einbauen bzw. sogar übernachten kann. Schräg gegenüber befindet sich ein
kleiner Supermarkt, der auf die Bedürfnisse der GR 20-Wanderer eingestellt ist.
Der
GR 20 folgt wenige Meter der Straße bis zur Paßhöhe, die durch die „Notre-Dame
des Neiges“, einer Marienstatue, markiert ist. Man überquert den bereits in
den frühen Morgenstunden völlig überfüllten Parkplatz, die Hochweide mit
einigen kühestreichelnden Kindern, mit ihren davorstehenden, fotografierenden
Eltern und marschiert direkt auf die Bavella-Türme zu. Hier weist ein Schild
auf die „Variante alpine“ hin, die jedoch aufgrund einiger Hinweise
entgegenkommender GR 20-Wanderer zumindest in den Sommermonaten nicht zu
empfehlen ist. Sie ist zwar kürzer und spektakulärer als die „normale“
Strecke, jedoch fordert die landschaftlich überaus reizvolle Strecke dem
drastisch angewachsenen Touristenstrom auf die Bavella ihren Tribut. Die Tour
wird von Tagesausflüglern derart „überschwemmt“, daß es an einigen
„harzigen“ Schlüsselstellen zu regelrechten Stauungen kommt.
Die
„normale“ Variante führt an der Westflanke des nördlichen Bavella-Massivs
vorbei durch das weitläufige Asinao-Tal. Die erste halbe Stunde geht es über
große Steine hinweg bergab. Die Strecke ist nicht schwierig, aber dadurch sehr
unangenehm, vor allem für Wanderer mit einer Neigung zu Kniebeschwerden. Der
Weg schwenkt nach Norden und steigt wieder an. Immer den Blick auf das Tal mit
dem tief unten fließenden Asinao-Bach vor Augen, erlebt man eine ständig
wechselnde Szenerie. Mal durch dichten Wald, dann wieder durch sonnenüberflutete
Macchia werden mehrere Bäche überquert, die ausreichend Trinkwasser liefern.
Mit zunehmender Höhe überwiegen die Waldpassagen. Nach weiteren drei Stunden
trifft die „alpine Variante“ wieder auf die klassische Route. Kurze Zeit später
lädt eine kleine Gumpe am Wegesrand immerhin zu einem erfrischenden Fußbad
ein. Nach weiteren 10 min. bietet eine topfebene Fläche Platz für ein Notbiwak
für zwei Zelte. Das Tal wird immer schmaler, die Szenerie alpiner, und der
Asinao kommt immer näher, bis man das Refuge d’Asinao (1530 m) bereits
auf halber Hanghöhe erkennen kann. Wenige Minuten später wird der Bach, der
auch im Hochsommer noch üppig Wasser führt, überquert. Das letzte Stück
mobilisiert nochmals die letzten Kräfte, wenn es über den steilen, sonnigen
und gerölligen Hang zur Hütte hochgeht, dem zweiten Etappenziel. Auf halber Höhe
besteht eine Abstiegsmöglichkeit nach Quenza (3 h). Die Lage des Refuge
ist ebenfalls einzigartig. Wie von einer Aussichtsplattform schweift der Blick
vom Südhang des gewaltigen Monte Incudine (2134 m) über das Asiano-Tal bis zum
Bavella-Massiv. Das Ganze dann noch bei Sonnenuntergang betrachtet, rundet die
Tour versöhnlich ab.
Entgegen
manchen Literaturhinweisen ist Zelten neben der Asinao-Hütte ausdrücklich
erlaubt, wie neben allen PNRC-Hütten in dem dafür vorgesehenen Areal. Warme
Mahlzeiten gibt es nicht, dafür aber leckeren Schafskäse, Baguette und offenen
Rotwein. Und mehr braucht man eigentlich auch nicht. Wenn man Glück hat,
bekommt man von der Hüttenwirtin, Mme Aline, noch eines der Pralinés, die sie
immer für „ihre“ Wanderer bereithält (Merci !).
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Blick auf die Crête de Punta Tafunata
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Tiefblicke an der Foce Finosa |
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Tafonibildungen am Col de Bavella |
Hauptsaison auf den Berghütten |
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Großer Abwasch |
Aussichtsreich: Refuge d’Asinao |

Mit achteinhalb Stunden netto ist
diese Etappe die längste im Südteil des GR 20, dafür allerdings auch die
spektakulärste. Die Besteigung des Monte Incudine (2134 m) und die Überschreitung
des „Denkmalsgrat“ sind die Höhepunkte dieser Tour. Sie erfordern gute
Kondition und Trittsicherheit. Aufgrund der Länge bietet sich am Ufer des
Baches Casamintellu et de Monte Tignosu eine gute und geduldete Möglichkeit zum
Biwakieren.
Ein
frühes Aufbrechen ist aufgrund der Länge der Etappe empfehlenswert. Während
die Asinao-Hütte noch verschlafen im Schatten liegt, leuchten die umliegenden
Gipfelspitzen in der gerade aufgehenden Morgensonne bereits goldgelb. Eine
Holztafel weist den Weg zum „Alcudine“ und meint damit den Monte Incudine
(2134 m), an dessen Südhang der GR 20 steil nach oben führt. Die Piste zeigt
viel Geröll, ist aber aufgrund der moderaten Temperaturen am frühen Morgen
problemlos zu bewältigen. Nach ca. einer Stunde fordern große Granitplatten zu
ersten Kraxeleien auf. Im Frühjahr sind hier noch vereinzelte Schneefelder
anzutreffen. Ein Blick zurück läßt die Asinao-Hütte tief unten im Tal winzig
klein erscheinen, und das Bavella-Gebirge wirkt mit seinen langgezogenen
Schatten am frühen Morgen noch gewaltiger als am Vorabend. Nach insgesamt zwei
Stunden ist mit Erreichen der Bocca Stazzunara (2025 m) der erste
Aufstieg geschafft und der Südwestgrat des Monte Incudine erreicht. Auf der
linken Seite besteht eine Abstiegsmöglichkeit nach Quenza (4 h), auf der
rechten ist das mächtige Gipfelkreuz aus Beton bereits erkennbar. Man folgt dem
Kamm, und über einen letzten, kurzen Kletterabschnitt ist der Gipfel des Monte
Incudine (2134 m) geschafft.
Der
Berg besteht aus einem gewaltigen, glattgeschliffenen Granitblock, auf dem man
bequem umherschlendern kann, wenn nicht gerade ein heftig wehender Mistral für
Gleichgewichtsstörungen sorgt. Bei schönem Wetter ist der Incudine einer der
schönsten Aussichtsberge Korsikas überhaupt. Der Blick schweift rundum, vom
Golf von Propriano über das Cagna-Gebirge bis nach Sardinien, über den
Golf
von Porto-Vecchio, zum Monte Rotondo, zum Monte Cinto und die
Paglia Orba und
erfasst drei Viertel der gesamten Insel.
Über
die landschaftlich ebenfalls eindrucksvolle Crête de la Foce Aperto erfolgt der
Abstieg bis zum Col de Luana (1805 m). Hier knickt der Weg scharf nach
links ab und verläuft in nordwestlicher Richtung auf ein Wäldchen mit uralten,
mächtigen Buchen zu. Gleich zu Beginn ist rechts, etwas versteckt hinter
Erlengebüsch, die erste Trinkwasserquelle (1700 m) dieser Etappe. Sanft
bergab, vorbei an den Resten des Refuge de Pedinielli, ist die Hängebrücke
über den Bach Casamintellu et de Monte Tignosu (1381 m) bald erreicht. Noch vor
der Brücke sind rechts, direkt am Ufer, ein paar ebene, grasbewachsene Flächen.
Sie sind zum Biwakieren sehr gut geeignet, wenn dies auch nicht ausdrücklich
erlaubt ist.
Hinter
der Brücke folgt man dem Forstweg ein kurzes Stück nach rechts, bis der GR 20
abermals nach rechts abzweigt. Dem Verlauf der Straße folgend hat man eine
weitere Abstiegsmöglichkeit nach Zicavo (3 h). Der GR 20 indes überquert
eine landschaftlich überaus reizvolle Hochebene mit ausgedehnten Weideflächen
und vereinzelten Buchenwäldchen, durchzogen von vier kleineren Bächen. Die
Landschaft ist leicht hügelig, und es geht mal rauf, mal runter. Am Ende der
Durchquerung des Plateau du Coscione taucht der Weg wieder in dichten Buchenwald
ein, und man erreicht die Bocca di l’Agnone (1570 m), an der eine
Abstiegsmöglichkeit nach Zicavo (2 h) besteht. Forstbetrieb scheint hier
ein Fremdwort zu sein, so wild und zerzaust liegen abgestorbene oder
abgebrochene Baumreste kreuz und quer zwischen Jungholz und Altbestand herum.
Gemeinsam mit einem mehrfach kreuzenden Fahrweg windet sich der GR 20 hindurch.
Die Orientierung ist aufgrund guter Farbmarkierungen problemlos. Nach ca. einer
Stunde Waldwanderung kommt man an die zweite Quelle, etwas oberhalb einer
Lichtung. Diese wäre vorzüglich zum Biwakieren geeignet, wenn dies nicht ausdrücklich
an dieser Stelle verboten wäre („Camping et bivouac interdit“).
Nach
kurzem Anstieg wird am Col de Monte Occhiatu (1680 m) die Waldgrenze erreicht,
und damit ist der Blick frei auf das weitläufige Travo-Tal. In 1815 m ist eine Felsscharte
erreicht, die den Blick zur Ostküste schlagartig freigibt. Wer den rechten
Felsturm hochkraxelt, bekommt einen imposanten Blick auf den Incudine und die
gesamte Umgebung geboten. Nun beginnt der „Denkmalsgrat“ („Arrête des
Statues“), der seinen Namen von den wegsäumenden, an Statuen errinnernde
Felsformationen erhielt. Der Weg tanzt förmlich am Grat entlang. Mal geht es über
die Felsspitzen drüber, dann wieder links vorbei mit mächtigen Tiefblicken ins
Travo-Tal, dann wieder rechts herum mit weitschweifendem Blick zur Ostküste und
auf das offene Meer. An der Punta di a Scadetta (1836 m) wird der höchste
Punkt erreicht, und das Refuge d’Usciolu (1750 m) zeigt sich erstmalig
spektakulär wie ein Adlerhorst am steilen Beghang. Bis zum Erreichen der Hütte
wird es allerdings nochmal etwas „harzig“. Über schräge Granitplatten und
enge Scharten ist ein letztes Mal Trittsicherheit gefragt. Kurz vor dem Ziel
dieser Etappe besteht an der Bocca di Suragheddu (1800 m) eine Abstiegsmöglichkeit
nach Cozzano (2 h).
Die
Usciolu-Hütte hat neben einer traumhaften Lage sogar einen richtigen
„Supermarkt“ zu bieten. Sie gilt als die am besten ausgestattete Hütte am
GR 20. Neben einer warmen Mahlzeit, frischem Obst, Yoghurts usw. kann man
kurioserweise sogar Ansichtskarten kaufen, die der Wirt am nächsten Tag auf
seinem Esel ins Tal bringt.
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Steil: Aufstieg zum Monte Incudine |
Spitze: Panorama am Mte. Incudine |
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Die Überreste des Refuge de Pedinielli |
Wackelig: die Hängebrücke über den Bach Casamintellu et de Monte
Tignosu
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Durchquerung des Plateau de Coscione |
Tor zum „Denkmalsgrat“
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Beginn
des „Denkmalsgrates“ |
Felsscharte mit Blick ins Travo-Tal |
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Gratwanderung |
„Denkmäler“ geben dem Grat seinen Namen |
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Bild
039: Das Refuge d’Usciolu „klebt“ am Fels
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Bild
040: Große Wäsche in den Bergen |
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Urig und eiskalt: Sanitäranlagen am GR 20 |
Zimmer mit Aussicht: Der Monte Incudine bestimmt das Bild |
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Effizient: Müllverbrennung auf korsisch |
Lecker: Essen fassen an der Usciolu-Hütte |
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Refuge d’Usciolu: Korsikas höchstgelegener Supermarkt |
Kochstelle in den Bergen |
Fast die komplette Tour ist eine
Gratwanderung zwischen 1500 und 2000 Höhenmetern. Bei schönem Wetter bietet
sie den ganzen Tag, neben einigen Kraxeleien,
herrliche Panoramen in das obere Taravo-Tal und über die bewaldeten Hänge
des Fium’Orbu bis zur Küste im Osten. Trinkwasser ist knapp, denn es gibt nur
eine Quelle.
Was
am Vortag mit dem „Denkmalsgrat“ begann, findet auf der vierten Etappe seine
konsequente Fortsetzung: Paßwandern bis zum Abwinken. Der Kamm in ca. 2000 m Höhe
wird bereits nach einer halben Stunde erreicht. Der „Ritt“ über die
Bergspitzen kann beginnen. Erstmals bietet sich ein weitreichender Blick auf die
Ostküste mit dem markanten Etang d’Urbino, südlich von Aleria. Beim weiteren
Aufstieg bis zur Bocca di a Formicula (1950 m) pendelt der GR 20 zwischen
Ost- und Westhang hin und her. Nur bei schönem Wetter lassen sich die daraus
resultierenden, unterschiedlichsten Panoramen wirklich genießen. Bei starkem
Wind wird diese Tour eher zur Tortur.
Nach
Überquerung einer geröllreichen Hochebene ist wieder eine kräftige
Kniemuskulatur gefragt, denn es geht die nächsten eineinhalb Stunden in
Serpentinen steil bergab. Abermals bewähren sich hier Wanderstöcke. Bald
taucht der Weg in schattenspendenden Buchenwald ein und überquert dabei eine
wunderschöne Waldlichtung (Biwakmöglichkeit), die schon fast an eine kultische
Begegnungsstätte aus grauer Vorzeit erinnert. Im weiteren Verlauf werden die
Punta Bianca (1954 m) und die Punta Mozza (1881 m) umwandert, bis das neue, in
der Sonne glänzende Blechdach des Refuge de San Gavino (1550 m) auf sich
aufmerksam macht. Die Hütte ist in Privatbesitz und nicht für GR 20-Wanderer
zugänglich. Sie ist dennoch von zentraler Bedeutung, denn ca. 30 Meter
unterhalb befindet sich die einzige Quelle, die auch im Hochsommer ausreichend
Wasser führt.
Wenige
Minuten später ist mit dem Col de Laparo (1525 m) der tiefste Punkt der
heutigen Etappe erreicht. Hier kreuzt der GR 20 den nicht minder reizvollen
Fernwanderweg „Da mare a mare centre“ (M. A. M. C.), der die Ost- und Westküste
miteinander verbindet. Wer sich hier für den Abstieg entscheidet, hat die Qual
der Wahl: nach San-Gavini-di-Fiumorbo (2,5 h) im Osten oder Cozzano (2,5 h) und
Palneca (2 h) im Westen. Cozzano und Palneca sind mittels Linienbus mit
Ajaccio
verbunden (Fahrplan vorher im Touristenbüro besorgen).
Ohne
Schatten geht es wieder bergauf, vorbei an windzerzausten Buchen. Oben
angekommen, beginnt der „Tanz“ um den Grat erneut. Am Westhang der Punta di
Campolongo (1695 m) vorbei, überquert man den Kamm am Col de Rapari (1614 m)
und befindet sich wieder auf der Ostseite. So geht es ein paar Male hin und her.
Nach einigen Kraxeleien wird ein riesiges Geröllfeld überquert. Mit Gedanken
an den Zuckerhut in Rio de Janeiro „thront“ der Spitzkegel Rocher de la
Penta (1675 m) über dem Taravo-Tal und bestimmt das Bild. Kurz vor dem
Erreichen des höchsten Punkts (ca. 2000 m), knapp unterhalb der Punta della
Cappella (2041 m), beruhigt sich die Landschaft etwas, und man überquert
eine Hochweide. Die Prati-Hütte rückt erstmalig ins Blickfeld. Das gesamte
Gebiet des Fium’Orbu mit der Ostküste im Hintergrund liegt dem Wanderer zu Füßen.
Der Monte Renosu (2352 m) und der Monte d’Oru (2389 m) zeichnen sich deutlich
ab, und das Bollwerk des Monte Incudine (2134 m) begrenzt den Blick nach Süden.
Eine fantastische Szenerie, bevor der Weg zunächst nochmal steil zum Refuge
de Prati (1840 m) abfällt und Gedanken an Dusche, Käse und Rotwein
konkretere Formen annehmen.
Die
letzte halbe Stunde verläuft der Pfad flach in einem weiten Bogen über eine
saftige Hochweide auf das Etappenziel zu. Die Prati-Hütte liegt auf einem
flachen Sattel. Ein geeigneter Zeltplatz ist schnell gefunden.
Bildergalerie
4. Etappe
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Waldlichtung mit Biwakmöglichkeit |
Verkehrsknoten: Col de Laparo |
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Gratwanderung mit weitreichenden Talblicken |
Interessiert: Typische korsische Bergbewohner |
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Imposant: Rocher de la Penta |
Kraxeln am GR 20 |

Die Tour gleicht eher einem gemächlichen
Sonntagsspaziergang durch wunderschöne, ausgedehnte Wälder und steht damit in
starkem Kontrast zu den letzten beiden Gipfeletappen. Am Col de Verde bietet
eine bewirtschaftete Hütte die Möglichkeit zur Übernachtung oder auch zu
einem zweiten Frühstück.
Letztmalig
kann man den weitreichenden Blick zur Ostküste beim kurzen Aufstieg auf eine
Hochebene genießen. Das Plateau ist ringsherum von einem Felsgürtel umrahmt
und führt auf ebenem Gelände zur Bocca d’Oru (1855 m). Der Blick
schweift über das obere Taravo-Tal mit seinen ausgedehnten Wäldern und den
bereits von der Sonne angestrahlten Osthängen des Monte Grosso (1895 m) und der
Punta Cappella (2032 m).
In
Serpentinen führt der Weg sehr angenehm Richtung Talgrund, erreicht kurze Zeit
später die Baumgrenze und taucht in dichten Laubwald ein, der nach Querung
einer kleinen Lichtung in Nadelwald übergeht. Der GR 20 wird immer breiter, und
allmählich macht sich Forstbetrieb bemerkbar. Schließlich wird ein Fahrweg
erreicht, der schräg zu überqueren ist. Nach Tagen in der freien Natur ist der
Geruchssinn inzwischen so sensibilisiert, daß erste Abgase wahrgenommen werden,
die darauf hindeuten, daß der Col de Verde (1289 m) nicht mehr weit ist.
Am Paß befindet sich direkt neben dem Parkplatz ein
bewirtschaftetes Refuge mit einem angeschlossenen Zeltplatz und weiteren Übernachtungsmöglichkeiten
im Haus. Hier bietet sich eine Pause mit einem zweiten Frühstück an. Beim
Zeltplatz ist eine Wasserquelle, und die Toiletten sind ebenfalls sehr
empfehlenswert (sogar mit Papier !).
Zwischen
Refuge und Parkplatz folgt der GR 20 zunächst einem breiten Fahrweg, der dann
wieder nach oben führt und eher einem ausgetrockneten Bachbett gleicht. Der
Mischwald geht in Nadelwald über. Auffällig sind die riesigen Tannen, die ein
wenig an die Redwoods in Kalifornien erinnern und einen Umfang von über sechs
Metern erreichen können. Den kerzengeraden Wuchs der Tannen wußte bereits der
berühmte Admiral Nelson zu schätzen, der sie als Schiffsmasten nutzte.
Bachrauschen macht sich bemerkbar, und kurz vor der Überquerung des Marmano-Baches
(1390 m) stößt man auf eine weitere Quelle. Direkt nach der Quelle
knickt der GR 20 scharf nach rechts ab (aufpassen, schlecht markiert !). Die
ehemalige Hängebrücke wurde bei einem Unwetter zerstört, und so wurden
behelfsmäßig zwei Baumstämme über den Bach gelegt.
Auf
der anderen Talseite führt der Weg steil nach oben zum Plateau de Gialgone
(1591 m). Die Vegetation ändert sich schlagartig. Der Wald lichtet sich. Farne,
Buchen, Erlen und mächtige Lariccio-Kiefern mischen sich darunter. Es werden
mehrere Bäche überquert. Die Hochebene wäre sehr gut zum Biwakieren geeignet,
wenn es nicht wieder einmal ausdrücklich verboten wäre („Camping et bivouac
interdit“).
Hinter
dem Plateau verschwindet der GR 20 wieder in dichtem Wald. Er überquert dabei
mehrere Bäche, und es geht stetig und gemütlich bergab. Kurz vor dem
Zusammentreffen verläuft der Weg eine Weile parallel zur D 169, einer Stichstraße,
die in vielen Windungen zum Skigebiet von Ghisoni hochführt. An der Straße hält
man sich links und marschiert bis zur Casso-Brücke (1350 m). Gleich
hinter der Brücke zweigt ein Pfad links ab, und es geht am orografisch linken
Ufer steil bergauf bis zu den Bergeries de Tragette (1520 m). Zusammen mit dem
gewaltigen Monte Renosu (2352 m) im Hintergrund und einigen wild verzwirbelten
Lariccio-Kiefern stellen sie ideale Fotomotive korsischer Wildheit dar.
Von
dort ist das Refuge de Capannelle (1586 m) bald erreicht. Da die Hütte
leider direkt an der Straße liegt, hat sie nicht den Charme der bisherigen
Unterkünfte. Auch das gesamte Umfeld zeugt von der Zerstörung der Natur durch
die umliegenden Skipisten. Dafür gibt es immerhin ein uriges Lokal mit schöner
Aussichtsterrasse, wo man nach getaner Arbeit seinen wohlverdienten Rotwein mit
Blick auf die Ostküste schlürfen kann.
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Romantisch: Sonnenaufgang an der Prati-Hütte |
Urig: korsischer Pferdestall |
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Begegnung mit der tierischen Art |
Steinmännchenkunst an der Bocca d’Oru |
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Abstieg zum Col de Verde |
Improvisierter Übergang des Marmano-Baches
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Auf dem Weg zum Skigebiet von Ghisoni |
Prachtexemplar einer Lariccio-Kiefer am Fuß des Monte Renosu
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Fotogen: die Bergeries de Tragette |
Gewaltig: Die Bergeries de Tragette am Fuß des Monte Renosu |
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Jede Menge Holz |
Farbenrausch: Morgenstimmung am Refuge de Capannelle |

Gemütlich klingt die letzte Etappe
des Südteils des GR 20 aus. Rückblicke auf das Renosu-Massiv und das Panorama
an der Bocca Palmente sind die landschaftlichen Höhepunkte dieser Tour.
Wer
sich entschlossen hat, von Vizzavona aus per Eisenbahn in die Zivilisation zurückzukehren,
darf sich einerseits auf ein eindrucksvolles Fahrerlebnis freuen. Andererseits
hat man alle Zeit der Welt, denn Züge verkehren bis zu viermal am Tag (letzte
Fahrt nach Corte um 17:34 Uhr; letzte Fahrt nach Ajaccio um 18:50 Uhr laut
Sommerfahrplan 2001).
Hinter
dem Refuge de Capannelle (1586 m) führt der GR 20 zunächst ein kurzes
Stück hoch bis zur D 169 (1630 m), der man nach rechts ca. 200 Meter
folgt. Der Pfad zweigt dann nach links ab und taucht in Kiefernwald ein. Es geht
hinunter auf 1450 m bis zur Querung des Giargalozeo-Baches. Dahinter liegen die Bergeries
de Scarpaccedié (1450 m) idyllisch mitten im Wald. Ohne Anstrengung folgt
man dem leicht ansteigenden Waldweg, überquert dabei den Scarpaccedié-Bach und
gelangt zu einer Hochebene, die einen traumhaften Blick zurück zum Monte Renosu
(2352 m) zuläßt. Am besten die Kuppe hochsteigen, denn hier ist der Blick am
eindrucksvollsten. Es besteht die Möglichkeit zu biwakieren oder abzusteigen
nach Ghisoni (2 h), vorbei an den Bergeries de Cardo.
Der
GR 20 knickt nun scharf in nordwestlicher Richtung ab und führt auf einem gemütlichen
Waldweg zu den fotogenen Bergeries d’Alzeta (1560 m). Hier befindet
sich auch eine Quelle. Über offenes Gelände erfolgt der letzte Anstieg hoch
zur Bocca Palmente (1640 m), von der man ein prächtiges Panorama bis zur
Ostküste genießen kann. Mit der Überquerung des Passes schiebt sich der
gewaltige Monte d’Oru (2389 m) mächtig ins Bild.
Von
nun an geht es nur noch bergab bis nach Vizzavona. Kurz hinter dem Übergang
wartet eine weitere Quelle etwas versteckt hinter Erlengebüsch auf ihre
durstigen Besucher. Im weiteren Verlauf erreicht man nach einer Stunde durch
dichten Buchenwald einen Forstweg, der zu überqueren ist. Beim nächsten
Feldweg zweigt man links ab und folgt ihm ca. 750 m bis zur Einmündung in die N
193, der Hauptverkehrsachse zwischen Bastia und Ajaccio. Nach einer Woche in der
Abgeschiedenheit der korsischen Bergwelt trifft der rege Straßenverkehr hart,
und man fühlt sich irgendwie fehl am Platz. So ist man froh, daß die
„Autobahn“ beim Forsthaus (990 m) nur überquert werden muß und der
GR 20 weiter bergab durch den Wald in Richtung „Vizzavona Gare“ führt.
Nach
weiteren 15 Minuten wird eine frisch asphaltierte Teerstraße erreicht, der man
links bis in den Ortskern Vizzavonas (920 m) folgt. Auf direktem Weg
trifft man schließlich auf eine Reihe ausgemergelter, schwer bepackter
Wanderer, die entspannt und Café au lait schlürfend auf der Terrasse der
Bahnhofskneipe auf den nächsten Zug warten.
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Spartanisch: Matratzenlager im Refuge de Capannelle |
Selbst abgestorben noch eindrucksvoll: korsische Lariccio-Kiefer |
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Der alte Mann und der Berg (Monte Renosu) |
Faszinierende Bergwelt Korsikas |
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Erfolgreiche Wildschweinjäger |
Gewaltig: Der Monte d’Oru schiebt sich ins Bild (an der Bocca
Palmente) |
... und die gesammelten Reste
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Immer
gute Stimmung auf den Hütten |
„Korsisches Edelweiß“ |
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Silberdistel
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Feurig: korsischer Salamander |
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Korsische Zimmermannskunst |
Ausgelatschte GR 20-Schlappen |