Tour 11: DURCH DAS NIOLO ZUR WESTKÜSTE

Ausgangsort
Corte

Endpunkt
Porto

Charakter
Auf einer der schönsten Strecken Korsikas wird alles geboten, was den besonderen Reiz der Insel ausmacht: Meer, Wald, Pässe, Berge, Flüsse, Schluchten und Kurven, Kurven, Kurven...

Strecke
Corte - Castirla - Calacuccia - Albertacce - Evisa - Porto

Zeit
1 1/2 Stunden für 90 km


Vor uns liegt eine der schönsten Motorradstrecken Korsikas. Auf den Spuren der berühmten Autorallye „Tour de Corse“ führt sie uns zunächst durch die berühmteste Schlucht der Insel, am höchst gelegenen Stausee vorbei, durch das größte Waldgebiet, zum höchsten Paß und durch die tiefste Schlucht zum schönsten Golf der Insel.

Mit entsprechend hochgesteckten Erwartungen starten wir auf der D 18 in Richtung Porto. Die ersten Kilometer sind geprägt von karger Landschaft und windungsreicher Strecke. 


Unendliche Weiten im Orta-Tal


Löchrig: Schilderdesign a la Corse

Bereits kurz nach der Abzweigung auf die D 84 und Überquerung der Golo-Brücke erwartet uns die Scala di St. Regina, die meistfotografierte Schlucht Korsikas. Nach kurzer Zeit wird uns klar, warum das so ist. Bereits das Hinweisschild am Straßenrand besitzt einen gewissen herben Charme. Von einer Schrotladung durchlöchert, zeugt es von einem der beliebtesten Hobbys der Korsen.

Kurz dahinter beginnen sich die roten Granitfelsen hunderte von Metern über uns emporzurecken. Derweil plätschert der Golo tief unter uns friedlich vor sich hin. In vielen Windungen schlängelt sich die gut ausgebaute Straße durch die enge Schlucht bis zum Kraftwerk am oberen Talende.


Windungsreich durch die St. Regina


Abhängen in Calacuccia

Das Tal öffnet sich weit, und wir betreten die Niolo-Hochebene. Bis zum Ende des vorigen Jahrhundert war diese abgelegene Region fast völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Erst der Bau der Straße stellte den Kontakt her. Calacucchia, direkt am Stausee „Barrage de Calacucchia“ gelegen, bietet einige schöne Cafés für eine kleine Pause, bevor es durch den „Forèt de Valdo Niello“ zum höchsten Paß der Insel hinaufgeht.

Wir queren die Golo-Brücke, an dessen Fuß sich eine alte, fotogene genuesische Brücke und einige schöne Badestellen befinden. Danach geht die Fahrt bergauf. 


Einsturzgefährdet: Die alte Golo-Brücke

Wir tauchen ein in das größte zusammenhängende Waldgebiet der Insel, das uns erst kurz vor dem Col de Verghio wieder freigibt. Die exzellenten Straßenverhältnisse verleiten uns zum Ideallinientraining, vorbei an Bächen und Skihängen. Dazwischen erhöhen die Ausblicke auf die umliegenden und teilweise noch schneebedeckten Berggipfel den landschaftlichen Reiz dieser Gegend.


Wedeln im Valdo Niello


Kunst am Paß

Der höchste Paß der Insel, der Col de Verghio (1477 m) erwartet uns mit einer meterhohen, modernen Statue. Über Geschmack läßt sich streiten, aber der Blick auf die zurückliegende Niolo-Ebene mit dem Stausee hat etwas. Der Wind pfeift hier oben recht frisch, und wir sind froh unsere Lederkombis dabeizuhaben.

Hinter dem Paß fahren wir in den Wald von Aitone, der dem Valdo Niello kaum nachsteht. Die stark duftenden Kiefern erreichen bis zu 50 m Höhe. 


Fast wie im Schwarzwald


Die größte Schlucht der Insel

Kurz vor Evisa breiten sich Edelkastanien aus. Am unteren Ortsausgang verschaffen wir uns von einer Aussichtsplattform einen Überblick von der Spelunca-Schlucht, die uns noch vom Golf von Porto trennt. Links erkennen wir den Capo d’Orto (1294 m), den hoch aufragenden Hausberg von Porto.

In vielen Windungen schlängeln wir uns hinab ins Tal. Dabei ergeben sich immer wieder schwindelerregende Tiefblicke auf den einige hundert Meter unter uns dahinplätschernden Porto. Bald kommt das Örtchen Ota am gegenüberliegenden Hang in Sicht, das aussieht, als würde es gleich den Berg herunterrutschen. 


Lecker Badegumpe unter der Brücke

Kurz danach zweigt die D 124 scharf nach rechts ab und bringt uns zur Talsohle. Dabei kommen wir an einer der schönsten genuesischen Brücken vorbei, die den Porto überspannt. Nach kurzer Auffahrt ist das düster wirkende Örtchen Ota erreicht. Am Ortsausgang fahren wir an einigen Kriegsgräbergruften vorbei, bevor der viereckige, pisanische Turm von Porto ins Bild kommt. 

Es wird schnell klar, warum der Golf von Porto als der Schönste Korsikas eingestuft wird. Spektakulär stürzen die hoch aufragenden, roten Granitfelsen ins tiefblaue Meer. Der Flußlauf ist umgeben von einem Eucalyptuswald, und die vorgelagerte Felszunge mit dem Wachturm rundet das Gesamtbild ab. Die D 124 mündet in die Küstenstraße D 81, womit wir unser Ziel erreicht haben.


Spektakulär: Der Golf von Porto

 

Tipp 1!  Baden in den Kaskaden von Aitone:


Waldschwimmbad

Kurz vor Evisa führt ein Schotterweg zum „Piscine naturelle“. Nach wenigen Gehminuten erreicht man einige Badegumpen inmitten des herrlichen Aitone-Waldes.


Tipp
2! Das größte Volksfest der Korsen:

Gegenüber von Calacuccia liegt das Örtchen Casamaccioli. Vom 8. bis 10. September feiern die Korsen das Fest „Santa di Niolo“. Neben einer Prozession und einem Riesenrummel mit Verkaufsständen und Glücksspieltischen wird auch ein Gesangswettstreit durchgeführt.

 

Tipp 3! Der Name „Valdo Niello“ ist vermutlich germanischen Ursprungs und heißt soviel wie „Schwarzwald“, was durchaus zutreffend ist.