Tour 08: Das Restonica-tal

Ausgangsort
Corte

Endpunkt
Bergeries Grotelle

Charakter
Es ist die schnellste Möglichkeit tief in die korsische Bergwelt einzudringen. Das fahrerische Erlebnis steht dabei weniger im Vordergrund, als vielmehr eine Kurzwanderung zu den schönsten Bergseen der Insel, die noch kein Motorradfahrer bereut hat.

Strecke
Corte - Bergerie Grotelle

Zeit
1/2 Stunde für 15 km

 

Verirren kann man sich nicht bei dieser Tour. Das Tal beginnt direkt in Corte, und die Stichstraße endet als Sackgasse an einem Parkplatz. Bevor die Fahrt losgeht, sollte man sich seine Badesachen einpacken, denn die Restonica bietet bis zum Talende etliche Bademöglichkeiten im gar nicht so kalten Gebirgsquell.


Badegumpe in der Restonica

Von Corte aus orientieren wir uns zunächst in Richtung Ajaccio und biegen gleich hinter der Brücke über den Tavignano rechts ab auf die D 623.

Im Gegensatz zum weitläufigeren Asco-Tal sehen wir uns gleich zu Beginn bereits von hohen Felstürmen umgeben. 


Beliebte Kletterfelsen im Restonica-Tal


Berauschend: Die Restonica

Terrassenartig plätschert die Restonica ins Tal und bildet dabei Wassergumpen von teilweise über 2 m Tiefe.

Wir fahren fast ständig durch dichten Kiefernwald. Vorsicht ist geboten beim doch sehr welligen Straßenbelag. Baumwurzeln haben sich ihren Weg unter dem Asphalt gesucht und dabei die Straße aufgeworfen. Bei den ständigen Licht- und Schattenwechseln werden die Wellen schnell übersehen, was sich schnell an den Stoßdämpfern rächt.


Natur pur

Der Touristenverkehr hat in den letzten Jahren derart zugenommen, daß die Befahrung mit Wohnmobilen inzwischen untersagt ist, was den Motorradfahrer angesichts einer Straßenbreite von gerade mal drei m durchaus erfreut. Im oberen Teil ist der Belag nach dem verheerenden Feuer in 2000 inzwischen erneuert worden. Ebenso wurden Kapazitätslimits eingeführt, sodaß das Tal zu Stoßzeiten schon mal vorübergehend für den Individualverkehr gesperrt werden kann.

Je höher wir uns schrauben, desto mehr lichtet sich der stark nach Harz duftende Wald. Kurz vor dem Ende hört der Wald schließlich ganz auf, und die steil aufragenden Felswände links und rechts treten in den Vordergrund. Von den Wänden stürzen Wasserfälle herab, und vor uns türmen sich die teilweise noch schneebedeckten Berggipfel auf. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich der Pic Lombarduccio (2261 m), der das Bild bestimmt. Es kommen immer mehr Kajakfahrer in Sicht, die hier ideale Voraussetzungen finden.


Paradies für Biker und Kajakfahrer


Bergeries Grottelle am Talende

Wir erreichen die Bergeries Grottelle, eine Schäferei, wo man Käse kaufen kann. Kurz dahinter endet die Straße auf einem naturbelassenen Parkplatz, der in der Hauptsaison Eintritt kostet. Wir haben unseren Ausgangspunkt für die Wanderung zu den Gletscherseen Melo- und Capitello- erreicht.

 

Tipp 1!  Wanderung zum Melo- und Capitello-See:

In einer Stunde vom Parkplatz hoch zum kreisrunden Melo-See, einem Überbleibsel aus der Eiszeit. In einer weiteren halben Stunde weiter zum Capitello-See mit großartigem Panorama (siehe Wanderungen).


Korsikas tiefster Bergsee:
Der Capitello-See

Tipp 2! Essen in der „Auberge de la Restonica“:

Zwei Kilometer nach der Einfahrt ins Tal auf der linken Seite. Von außen fürchterlich touristisch, innen tolle Atmosphäre und feine korsische Küche.

 

Tipp 3! Übernachten auf dem Campingplatz „Tuani“:

Sechs Kilometer nach der Einfahrt ins Tal auf der linken Seite. Inmitten eines dichten Kiefernwaldes auf einem naturbelassenen Grundstück ist der atmosphärisch vielleicht schönste Campingplatz angelegt.


Korsikas schönster Wald-Campingplatz

Tipp 4! Corte

Mit über 5500 Einwohnern ist Corte der größte Ort Inner-Korsikas. Seine einmalig schöne Lage vor dem gigantischen Rotondo-Massiv am Zusammenfluß von Restonica und Tavignano macht Corte zum idealen Stützpunkt für Wanderer. Seine strategisch günstige Lage an der Hauptverbindungsstrecke Ajaccio-Bastia sowie nach L’Ile Rousse, Porto und Aléria unterstreicht die Bedeutung Cortes für die Insel.


Corte mit seiner mächtigen Zitadelle

Wenn man vom Norden in die Stadt fährt, kommt man automatisch auf die Hauptgeschäftsstraße Cours Paoli, die an der Place Paoli mit dem Denkmal des großen Freiheitskämpfers Pascal Paoli endet. Das ist der beste Ausgangspunkt für einen Trip durch die Stadt.

Gleich hinter dem Denkmal die Fußgängerrampe hoch, und schon steht man mitten in der Altstadt an der Place Gaffori. Auch hier steht wieder ein Denkmal, diesmal von Jean Pierre Gaffori, der im Haus über der Bar „De la haute ville“ wohnte. Die noch sichtbaren Einschußlöcher sollen aus der genuesischen Belagerungszeit stammen.

Etwas weiter, an der Place Poilu, im Haus Nr. 1 wurde der älteste Bruder Napoleons, Joseph Bonaparte 1769 geboren, der spätere König von Spanien.

Die alles überragende Zitadelle auf einer steil aufragenden Felsnadel ist das Wahrzeichen der Stadt und gleichzeitig ein Postkartenklassiker. Sie ist inzwischen über das ebenfalls hochinteressante landeskundliche Museum zu besichtigen (nachdem es jahrelang renoviert wurde nach Abzug der Fremdenlegion). Einen guten Blick darauf hat man von der Einfahrt ins Restonica-Tal aus, oder noch besser vom „Belvédère“, einer ausgeschilderten Aussichtsplattform in der Oberstadt. Von hier aus hat man einen Super-Rundblick auf die Ober- und Unterstadt mit dem Stadion, der Universität, die kahlen Berghänge des Bozio im Osten sowie die Täler der Restonica und des Tavignano mit dem gewaltigen Monte Rotondo (2622 m) dahinter.

Pascal Paoli machte Corte von 1755 bis 1769 zur Hauptstadt seines unabhängigen Korsikas. Er gründete hier die erste und einzige Universität der Insel. Nach seiner Abreise ins Exil wurde die Universität geschlossen und erst 1981 wieder geöffnet. Heute studieren hier über 3000 Studenten, die während des Vorlesungsbetriebes Schwung in den Ort bringen.

Dementsprechend sehen lassen kann sich das Angebot an Bars und Cafés. Die meisten davon findet man entlang der Hauptstraße Cours Paoli bis zum Ende an der Place Paoli, aber auch in der Oberstadt, unterhalb der Zitadelle.


Savoir vivre en Corse

Außerdem ist Corte bekannt für seine Pâtisserien (Konditoreien). In der ganzen Stadt trifft man die köstlichsten Gebäckstückchen an, egal ob süß oder salzig, warm oder kalt. Allein die Auslagen machen schon Appetit.