Tour 04: Die Castagniccia

Ausgangsort und Endpunkt
Casamozza

Charakter
Vorbei an wichtigen Stätten der korsischen Geschichte bietet die Tour vor allem viele Kurven in waldreichem Gebiet durch eine der am dünnsten besiedelten Gegenden Korsikas

Strecke
Casamozza - Barchetta - Ponte Nuovo - Ponte Leccia - Morosaglia - Piedicroce - Cervione - Talasani - Folelli - Casamozza

Zeit
4 Stunden für 140 km


In Casamozza verlassen wir die Küste und fahren auf der N 193 ins Landesinnere in Richtung Corte. Die Strecke ist die wichtigste Ost-West-Verbindung und dementsprechend gut ausgebaut. Dennoch bereiten die schnell befahrbaren Kurven und die abwechslungsreiche Landschaft viel Fahrspaß.

Am Ufer des Golo entlang stoßen wir bei Ponte Nuovo auf den ersten historischen Leckerbissen. Unweit der Straße fällt auf der rechten Seite eine verfallene Steinbrücke auf mit einer weißen Flagge bestückt, die einen Mohren mit weißem Stirnband abbildet. Es ist das Freiheitssymbol der Korsen. An dieser Stelle verloren die Insulaner 1769 die entscheidende Schlacht gegen die Franzosen. Seitdem gehört Korsika zu Frankreich. Die Brücke wurde 2008 frisch renoviert und so vor dem Einsturz bewahrt.


Korsikas Schicksalsbrücke bei Ponte Nuovo (Quelle: Dirk Buschmann)


"
Fahr mer iwwer die Brigg"


Korsen legen Wert auf korsische Schreibweise

Wir fahren weiter bis nach Ponte Leccia. Vor der Golo-Brücke zweigt die D 71 in Richtung Morosaglia links ab. Die Straße ist eng und mehrfach ausgebessert, aber dennoch gut befahrbar. Sie führt vorbei an Olivenbäumen und Korkeichen. Im Tal entdecken wir einzelne, verstreute Steinhütten. Der Blick reicht bis zum bildbestimmenden Monte Rotondo, mit 2622 m Höhe der zweithöchste Berg Korsikas. Wir kommen nach Morosaglia, dem Geburtsort des berühmteseten Korsen, Pascal Paoli (1725 - 1807). Unter seiner Führung gelang es den Korsen ein einziges Mal (1755 - 1769) in der Geschichte unabhängig zu sein.

Hinter Morosaglia blicken wir zum ersten Mal auf das ausgedehnte Gebiet der Castagniccia. Die Straße führt uns hoch auf den Col de Prato (985 m). Von hier eröffnet sich uns ein fantastischer Blick bis zur Ostküste über ein regelrechtes Waldmeer. Wenige, winzige Dörfer ragen mit ihren spitzen Giebeln wie kleine Inseln daraus hervor.


Waldreich: Die Castagniccia


Die Ruine von Orezza

Auf der neu angelegten Straße tauchen wir ein in den dichten Kastanienwald. Nach fünf Kilometern gabelt sich die Straße, wo wir uns rechts halten. Bei flachem Gefälle und unzähligen Kurven ziehen wir gemütlich unsere Bahn und treffen kurz vor Piedicroce auf die nächste historisch bedeutsame Stätte. Es ist die beeindruckende Ruine des ehemaligen Franziskanerklosters von Orezza. Hier trafen sich einst Pascal Paoli und Napoleon Bonaparte, um den gemeinsamen Feldzug gegen Sardinien auszubaldowern. Hier tagte die Nationalversammlung (Consulta), um neue Vorstöße gegen die ungeliebten genuesischen Besatzer zu planen. Im zweiten Weltkrieg diente die Kirche als Waffenlager und wurde schließlich von den Deutschen zerstört. Seitdem verfällt sie vor sich hin.

Wir kurven weiter in Richtung Ostküste. Der Wald lichtet sich vor St. Andrea di Cotone, und bald erreichen wir das schmucke Bergdorf Cervione. Einst war der Ort sogar Regierungssitz des Königreichs Korsika, das unter der Führung des deutschen Barons Theodor von Neuhoff (1694 - 1756) jedoch nur kurze Zeit bestand. Heute ist es ein lebhaftes Dorf mit gemütlichen Cafés und einer prächtigen Aussicht auf die Ostküste.


Beste Hanglage: Cervione


Cascade de Leccelluline

Im Ort biegen wir links ab auf die D 330 und fahren in 300 m Höhe parallel zur Küstenebene. Die Strecke, auch Corniche de Castagniccia genannt, führt durch üppiges Waldgebiet mit zwei in den massiven Fels gehauenen Tunnels und einem urigen Wasserfall dazwischen.

Am Nordende San Nicolaos zweigt die Straße links ab in Richtung St. Lucia di Moriani. Die Straße „klebt“ regelrecht am Hang und bietet eindrucksvolle Tiefblicke zur Küste. An der Kirche von San Giovanni treffen fünf Straßen zusammen.


Üppiges Grün in der Corniche


I Muvrini en concert

Wir wählen die zweite von links und kurven weiter nach Talasani. An einer unbeschilderten Weggabelung fahren wir rechts weiter und kommen durch Taglio-Islaccio, dem Heimatort der berühmtesten Musikgruppe Korsikas, die I Muvrini („die kleinen Mufflons“), die auch in Deutschland mittlerweile regelmäßig zu Gast sind.

Die D 330 mündet in die D 506, wo wir rechts abbiegen und dem Lauf des Fium Altu-Flusses folgen, bis wir Folelli am „Ostküsten-Highway“, wie die N 198 auch genannt wird, erreichen. Von hier ist es nun nicht mehr weit zurück nach Casamozza.

 

Tipp 1!  Wanderung zum Monte San Petrone (1767 m):

Von Campodonico aus kann man in 4 1/2 Stunden einen der schönsten Aussichtsberge Korsikas erwandern.